Erinnerungen einer Reise von Antonio Paucar in der Galerie Davide Gallo.

Lichtpunkte bewegen sich, tanzen wie ein Schwarm Glühwürmchen; nein, doch etwas langsamer kreisen sie um eine unsichtbare dunkle Mitte. Es dauert, bis man in dieser Videoperformance “ Danzando con mis luciérnagas” (Mit meinen  Glühwürmchen tanzend) von Antonio Paucar die Konturen eines Menschen zu ahnen beginnt, der sich in der kaum sichtbare Mitte zwischen den Lichtpunkten bewegt. Er bleibt das verborgene Zentrum des Geschehens, wie in so vielen Arbeiten Paucars. In Peru ist Antonio Paucar, der in Berlin bei Rebecca Horn studiert hat, geboren und dorthin ist er für eine lange Reise zurückgekehrt, von der er nun mit eigenen sehr schönen Performaces, Videos, und Installationen erzählt. Er baut äußerst flüchtige Bilder: Sie greifen nach etwas, das sie  nicht halten können. Da gibt es die kaum greifbare Erscheinung eines Mannes, von dem eigentlich nur die Schuhe übrig geblieben sind; wo sein Körper war, ist jetzt ein Schwarm  Fliegen, an Fäden aufgehängt, fixiert, und sie werden mehr und mehr im Lauf der Ausstellung – als ob  sich der Prozess der Verwesung und Zersetzung eines Toten fortsetzen würden. Denn natürlich denkt man bei dieser Figur an den Tod und die Auflösung des Körpers; zugleich aber nehmen die Fliegen, die hier  die Arbeit der Transformationen besorgen, auch die Gestalt eines rächenden Geistes ein, der, je mehr Fliegen ihn bilden, je schwärzer seine Form wird, umso bedrohlicher erscheint. Es sind keine friedliche Geschichte, die Antonio Paucar in seinen Werken so zart und poetisch einkapselt; aber ihre Schrecken scheinen in den Bildern, Ritualen und Tönen doch gebannt.

Katrin Bettina Müller Tip Berlin, Nr. 16/2007