Text: Partick Küppers

Der Mensch ist ein Madensack – so schmiss es einst der Barockdichter Simon Dach seinen Mitmenschen ins Gesicht. Gelernt hat man seither nicht daraus, und der pein liche Körperkult der Gegenwart ist eine oft bedrückende Tatsache. Welche Befreiung vermag aber aus der Kunst zu sprudeln: In einer Raumecke der Galerie Davide Gallo hängt ein Bündel Fäden von der Decke. An diesen Fäden hat der in Peru geborene Künstler Antonio Paucar zahl lose Fliegen befestigt. Die längsten Fäden dieses unbe wegten Schwarms enden in schwarzen Lederschuhen, die in lockerer Haltung am Boden stehen. Aber Halt! – Die lockere Haltung ist die des Schwarms, dessen geordnete Formen die eines stehenden Menschen sind. Eine Video installation der Ausstellung zeigt, digital verzerrt, Páucar, wie er sich mit Erde bedeckt. Die Fragmentierung des Menschen, das leidige Leid der Neuzeit, findet sich hier mit augenzwinkernder Freude am Spiel auf den Verfalls prozess des menschlichen Körpers rückbezogen. In dem Moment, da der Körper vollständig zerfallen und dabei in die Erde und, als Fliegenschwarm, in die Luft überge gangen ist, greift der Künstler ein. Er ordnet den Schwarm als Punkte im Raum an, so dass der Betrachter den Men schen, sein Ebenbild, als reine Form und Möglichkeit der Rekonstruktion erkennt. Zweifellos, die Installation »Zapatas que rompen el silencio« im Kontext der schönen Ausstellung »memorias de un viaje«, die weitere neue Arbeiten von Antonio Paucar umfasst, ist einer der spannendsten Kunstmomente, die es derzeit in Berlin zu erleben gibt.

»memorias de un viaje« von Antonio Páucar, noch bis zum 23.9.2007

in der Galerie Davide Gallo in Berlin

In der Ausstellung »memorias de un viaje«

sind brillante neue Arbeiten des Künstlers

antonio paucar zu erleben