Installation ”Geweihte Träume in Sacrow”

Der südamerikanische Künstler Antonio Paucar beweist mit seiner Installation ”Geweihte Träume in Sacrow” erneut seine poetische Kraft als diskreter Beobachter, als aufmerksamer Zuhörer des Raumes. Der Künstler, eingeladen im Schloss von Sacrow, hat mit seiner Installation den Ort selbst sprechen lassen, den Raum von Sacrow .

Das Anwesen in Sacrow wurde Ende des Siebzehnten Jahrhunderts als Herrengut und Jagdresidenz erbaut. Adlige und Bankiers Preußens haben hier gewohnt, Künstler (z.B.: Mendelssohn Bartholdy) das Haus frequentiert. In der Nazizeit wurde das Schloss Wohn-und Dienstsitz eines hohen Beamten der Nationalsozialistischen Partei; während der DDR-Zeit hat das Schloss zunächst als Zufluchtsort für verfolgte Schriftsteller gedient;

ab 1961 wurde es von Armee und Staatssicherheit genutzt.

Viele unterschiedliche Ereignisse prägen also diesen Ort, Erinnerungen schwirren im Raum.

Eine Tatsache, die Antonio Paucar inspirierte: der Künstler hat in einem Sanitärraum in Schloss Sacrow eine flüchtige Installation mit Fliegen und Nylonfäden realisiert, die auf dem Boden die Figur eines Menschen zeichnet; ein Mensch der -möglicherweise- tot ist. Daneben steht ein Gewehr, und an der Wand hängt ein Hirschgeweih.

Das Kunstwerk beschwört die reiche und bewegte Vergangenheit des Ortes herauf, seine Bestimmung (z.B. als Jagdschloss), gleichzeitig aber auch die Zeiten des Krieges, der Diktatur.

Antonio Paucars Werk spricht die Emotionen des Betrachters an: der Raum erhält durch die ephemere Form (die Konstruktion mit den Fliegen) eine Ambivalenz, die verwirrt. Eine Doppeldeutigkeit, die nicht nur Raum und Form erfasst, sondern Essenz der Arbeit selbst ist. Die Erinnerung, Hauptthema der Erzählung, kann gleichermaßen die Geschichte des Ortes, die des Künstlers oder die des Betrachters betreffen. Antonio Paucar gibt keine  präzise Anleitung und lässt dadurch jede Interpretation offen.

Performance und Installation „Zeichen aus der Dunkelheit“

Es ist wieder der Raum, eine phantomatische Offenbarung, ein unruhiger Geist, der in der zweiten vom Künstler in Sacrow vorgestellten Arbeit „Zeichen aus der Dunkelheit“ spricht. Ein rätselhafter Gegenstand taucht vor dem Publikum auf: ein weißer Kubus, der den Künstler schluckt. Auf dessen Oberfläche erscheinen vage Geometrien, Graffitis, kryptographische Elemente, die ineinander zerfließen und neue Formen bilden. Im Wechsel zwischen Nacht und Tag, Innen und Außen, Weiß und Schwarz; im Gleichgewicht der Gegenteile findet der künstlerische Ausdruck seinen Raum. Antonio Paucar führt seine Performance im Inneren des leeren Kubus aus. Ein Zaubertrick: Durch  die Benutzung starker Magneten bewegen sich auf der Außenseite Pinsel voller schwarzer Farbpigmente. “Zeichen aus der Dunkelheit” veranschaulicht die Poetik von Antonio Paucar, eine Poetik, die sich aus maßvollen Gesten und sanften Tönen zusammensetzt, die von einem ernüchterten Standpunkt erzählt, der aber reich an Glaube und Hoffnung ist.

Davide Gallo, 2007